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Ein Blog der Schweizer Journalistenschule MAZ

Archiv vom Dezember, 2012

Einblick in den Studiengang für Visualisierungsprofis

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Nach dem erfolgreichen Abschluss des ersten Studiengangs Visual Multimedia Editor (VME) Ende September 2012, laufen die Vorbereitungsarbeiten für die zweite Ausgabe ab April 2013 auf Hochtouren. Das Kursprogramm wurde von elf auf zwölf Wochenmodule erhöht, um den Studentinnen und Studenten noch mehr fundiertes Wissen in allen Bereichen des visuellen Journalismus zu vermitteln. Im Fokus der Ausbildung stehen die crossmediale, multimediale und interaktive Vermittlung von Fotografien, Videos, Grafiken und Karikaturen so wie die Beschaffung, Bewertung und Aufbereitung der Inhalte.

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Geschrieben von Gabriela Murer

13. Dezember 2012 um 14:39

Verdeckte Recherche missverstanden

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Ein falsches Facebook-Profil eines «20 Minuten»-Journalisten und ein «Juxtelefon» von australischen Radiomoderatoren bringen die verdeckte Recherche in Verruf und schädigen so ein wichtiges journalistisches Mittel. Zu Unrecht.

Da taucht im Internet ein Sexvideo einer jungen Schweizerin auf, das mutmasslich ihr Ex-Freund auf Facebook aufgeschaltet hat. Und flugs eröffnet ein «20 Minuten»-Journalist ein Fake-Profil unter dem mutmasslichen Namen des Opfers. Eine verdeckte Recherche also. Kollegen der Gratiszeitung decken sein Vorgehen auf, und der Mann wird entlassen.

Richtig so, denn verdeckte Recherche darf gemäss der klaren Praxis des Schweizer Presserates nur dann eingesetzt werden, wenn

1.  ein überwiegendes Interesse an einer Information besteht und
2. die Information auf anderem Wege nicht zu beschaffen ist (ultima ratio).

Beim «20-Minuten»-Fall muss an beidem gezweifelt werden. Journalisten sollten die Strafverfolgungsbehörden mal arbeiten lassen und sich nicht als Parallelermittler gebärden. Es gibt (derzeit) kein überwiegendes öffentliches Interesse an Informationen über die Freunde des Opfers. Die Ultima-Ratio-Regel greift schon gar nicht.

Ganz ähnlich liegt der Fall bei den Juxanrufen der beiden australischen Moderatoren in der Klinik, in der Herzogin Kate Middleton wegen Schwangerschaftsbeschwerden behandelt wurde. Dieses Telefonat wird als «Scherzanruf» heruntergespielt, ist aber eigentlich eine illegitime verdeckte Recherche. Denn auch da sind die Anforderungen klar nicht erfüllt. Es fehlt ebenfalls bereits am überwiegenden öffentlichen Interesse an Informationen über Schwangerschaftsbeschwerden Middletons.

Mit diesen beiden Fällen gerät die verdeckte Recherche in Verruf. Zu Unrecht. Denn – richtig eingesetzt – ist sie ein kraftvolles und nötiges Mittel des investigativen Journalismus.

Dass sie in Verruf gerät, ist für die Schweiz fatal. Denn das Schweizer Bundesgericht hat eine sehr rigide Praxis zu verdeckten Recherchen entwickelt, die in der Praxis gerade die seriösen Journalistinnen und Journalisten nur allzu oft davon abhält, sie einzusetzen.

So hat das Bundesgericht zum Beispiel einen Journalisten des «Corriere della Sera» abgestraft, der sich von einer Schlepperorganisation über die grüne Grenze bringen liess, um die Flüchtlingsdramen an der Schweizer Grenze hautnah beschreiben zu können. Er wurde wegen illegalen Grenzübertritts mit 250 Franken gebüsst.

Wenn nun gedankenlose Journalisten die verdeckte Recherche klar fehlerhaft einsetzen, festigt dies die falsche Meinung der Richter, diese Methode sei weiterhin einer rigiden Praxis zu unterwerfen. Und das wiederum hält seriöse Journalisten davon ab, sie – wenn es nicht anders geht zu Recht – einzusetzen.

Dominique Strebel, Studienleiter MAZ

 

Geschrieben von Gabriela Murer

12. Dezember 2012 um 15:24